Welche Parameter entscheiden zwischen Erfolg und Misserfolg bei der Stosswellentherapie?

Die Stosswellentherapie hat sich als effektive Methode zur Behandlung muskuloskelettaler Beschwerden etabliert, insbesondere in der Orthopädie, der Sportmedizin und der Rehabilitation.

Veröffentlicht am 27.01.2025

Doch trotz ihrer breiten Anwendung erzielen viele Anwender nur durchschnittliche Ergebnisse und kämpfen mit Problemen wie:

  • Keine Wirkung nach der ersten Behandlung.
  • Wenig bis keine Wirkung auch nach mehreren Sitzungen.
  • Es werden mehr Sitzungen benötigt, also offiziell kommuniziert.
  • Der Kunde ist schmerzempfindlich und mag die Therapie nicht. Eine andere Therapie muss eingesetzt werden.
  • Nach dem Einsatz eines Stosswellengerätes werden unschöne Flecken sichtbar. Kunde und Therapeut sind verängstigt.

Warum ist das so? Der Erfolg einer Stosswellenbehandlung hängt entscheidend von der Qualität des eingesetzten Gerätes ab. Aber auch eine korrekte Anwendung sowie die Erfahrung, das Einfühlungs- und das Kommunikationsvermögen des Therapeuten spielen eine entscheidende Rolle. In diesem Blogbeitrag möchten wir die wichtigsten Punkte kurz aufzählen.

Schlüsselfaktoren, die über den Erfolg einer Stosswellentherapie entscheiden

Was macht eine therapeutisch wirksame Stosswelle aus?

Eine Stosswelle ist eine akustische Druckwelle mit hoher Energie, die tief in das Gewebe eindringt und dort therapeutische Prozesse wie Durchblutungssteigerung, Zellregeneration und Schmerzlinderung aktiviert. Entscheidend für die Wirksamkeit sind:

HOHE ENERGIE pro Stoss ist entscheidend
  • Aktuelle klinische Studien zeigen, dass eine hohe Energiemenge (Energiedichte) pro Einzelstosswelle die Grundvoraussetzung für eine effiziente Behandlung darstellt..1
  • In Bezug auf die Behandlungseffizienz können geringere Energiemengen pro Stoss nicht durch die Abgabe erhöhter Anzahl von Stössen kompensiert werden.1
Die KAVITATION ist der Schlüssel zum Erfolg
  • Die Kavitation spielt für den Erfolg der extrakorporalen Stosswellentherapie eine besonders wichtige Rolle.2
  • Ohne Kavitation treten einige wichtige biologische Reaktionen in den behandelten Geweben nicht auf.2-11
HOHE ENERGIEABGABE für MEHR KAVITATION
  • Bei extrakorporalen Stosswellen handelt es sich um Schallwellen mit spezifischen Eigenschaften, wie eine hohe Druckspitze, eine kurze Anstiegszeit und Dauer sowie eine niedrige Zugamplitude.
  • Die anfängliche Kompressionsphase der Stosswelle nimmt mit der auf das Gewebe einwirkenden Energie zu. In ähnlicher Weise werden in der Dekompressionsphase durch mehr Energie mehr Kavitationsblasen erzeugt.
  • Je mehr Energie eingebracht wird, desto grösser werden Gewebedruck und Kavitationsniveau2 und somit die physiologischen Reaktionen.

Radiale oder fokussierte Stosswelle: Das ist nicht die zentrale Frage!

Vielmehr kommt es auf die Qualität des Gerätes an: Das heisst, ist die Energieflussdichte ausreichend hoch und bleibt die Energieabgabe über die gesamte Behandlungszeit konstant? Studien zeigen, dass bei gleichem Behandlungsprotokoll vergleichbare Ergebnisse zwischen radialer (z. B. DolorClast) und fokussierter Stosswelle (z. B. Storz) erzielt werden.

Der zweite Punkt dieser Überlegung ist: Kommt die Energie am richtigen Ort an? Eine Welle ist eine Welle, unabhängig davon, ob sie mit einem fokussierten oder einem radialen Gerät erzeugt wird. Viel wichtiger ist, dass genügend Energie genau dort ankommt, wo sie im Körber benötigt wird.12

Daher ist die Frage ob radiale oder fokussierte Stosswellen, nicht wirklich relevant für die Energieabgabe. Hier gibt es kein Besser oder Schlechter.12 Die Wahl des geeigneten Stosswellentyps richtet sich nach Art und Lokalisierung der Erkrankung sowie nach der Krankengeschichte und der Reaktion des Patienten.

Vorteile der radialen Stosswellentherapie

Radiale Stosswellen zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus und sind besonders geeignet für:

  • Oberflächliche Anwendungen: 90 % der Sehnen befinden sich weniger als 15 mm unter der Haut.
  • Grosse Flächen: Ideal für die Behandlung grosser Muskeln und Muskelketten (z.B. Oberschenkel- und Gesässmuskulatur).
  • Schnellere Behandlung: Bis zu dreimal schneller als fokussierte Stosswellenbehandlungen.
Vorteile der fokussierten Stosswellentherapie

Fokussierte Stosswellen bieten Vorteile bei spezifischen Indikationen, darunter:

  • Tief liegende Strukturen: Effektiv bei tiefsitzenden Problemen.
  • Präzision: Exakte Applikation im Zielgebiet.
  • Höhere Energiedichten: Für besonders resistente Indikationen.
  • Patientenkomfort: Keine Hautschmerzen, daher geeignet für empfindliche Patienten.

DIE GAME-CHANGER AUF EINEN BLICK

Eine erfolgreiche Behandlung mit der Stosswelle hängt allerdings nicht nur von der Wahl zwischen radialer oder fokussierter Technik ab. Es spielen diverse weitere Parameter eine wichtige Rolle:

Energieflussdichte & Energieabgabe

Dass nur hochwertige Geräte mit hoher Energiedichte und konstanter Energieabgabe erfolgreiche und langfristige Therapieergebnisse liefern, haben wir eben diskutiert.

Gerätequalität

90 % der in der PEDro-Datenbank veröffentlichten Studien mit DolorClast-Geräten wurden mit einer Energieflussdichte > 0,1 mJ/mm² durchgeführt. Da aber nicht alle Geräte die gleichen Leistungsparameter aufbringen, können diese veröffentlichten Einstellungen nicht von anderen Geräten 1 zu 1 übernommen werden. Es ist wichtig, die Leistung des eigenen Gerätes genau zu kennen.

Ausschliessung von Kontraindikationen
  • Behandlung über luftgefülltem Gewebe (Lunge, Darm).
  • Behandlung von angerissenen Sehnen.
  • Behandlung von Schwangeren.
  • Behandlung von Personen unter 18 Jahren (Ausnahme: des Morbus Osgood-Schlatter).
  • Behandlung von Patienten mit Blutgerinnungsstörungen (einschliesslich lokaler Thrombosen).
  • Personen, die mit oralen Antikoagulantien behandelt werden.
  • Behandlung von Gewebe mit lokalen Tumoren oder lokalen bakteriellen oder viralen Infektionen.
  • Personen, die lokal mit Kortison behandelt wurden (Mindestintervall zwischen Stosswellenbehandlung und der letzten Cortison Injektion: sechs Wochen).
Erfahrung des Anwenders

Auch hier gilt: nicht das Gerät allein macht die Arbeit. Erfahrung, Übung, Wissen und Kommunikation sind weitere Eckpfeiler. Eine ausführliche Anamnese und der ständige Austausch mit dem Patienten über dessen Behandlungskomfort ist essenziell für einen optimalen Behandlungserfolg.

Schmerzempfindlichkeit des Patienten

Patienten mit grösserer Schmerzempfindlichkeit könnten die Stosswelle ablehnen. Es ist wichtig, den Kunden im Voraus genau über die Auswirkungen und Nebenwirkungen der Therapie in Kenntnis zu setzen.

Nachbehandlung

Verbindet man die Stosswellentherapie mit weiteren Rehabilitations-Massnahmen wie die Durchführung ergänzender Übungen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit und einer effektiven Nachsorge, können die Behandlungserfolge mit der Stosswelle weiter verbessert werden.

WISSEN IST MACHT: SICHERN SIE SICH DEN VORSPRUNG!

Dieser Blog hat die wichtigen Parameter für eine erfolgreiche Stosswellentherapie nur kurz zusammengefasst, aber er ersetzt keine fundierte Weiterbildung zu diesem Thema.

Um die eigene Stosswellentherapie weiter zu optimieren oder, noch besser zu verstehen, auf was es beim Kauf eines Stosswellengerätes wirklich ankommt, laden wir Sie herzlich zum nächsten Stosswellenseminar ein. Unsere Ganztagesseminare richten sich an Therapeuten, die ihre Fachkenntnisse vertiefen und praktische Fähigkeiten erweitern möchten. Auch Praxisinhaber, die die Anschaffung eines radialen oder fokussierten Stosswellentherapiegerätes planen, profitieren enorm vom Wissen unserer Referenten.

Unsere Seminare werden jeweils von Top-Referenten geleitet, die tagtäglich mit der Stosswelle arbeiten oder auf dem Gebiet der Stosswellentherapieforschung tätig sind. Wissen aus erster Hand ist Ihnen somit gewiss.

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Literatur-Hinweise

  1. KENMOKU et al., J Orthop Sci. 2021;26(4):698-703.
  2. CSASUAR et al., Plos one. 2015;10:E0140541.
  3. HOCHSTRASSER et al., Sci Rep. 2016;6:30637.
  4. WAUGH et al., Eur Cell Mater. 2015;29:269-280.
  5. ZHANG et al., Cell Tissue Res. 2011; 346:255-262.
  6. ZHANG et al., Stem Cell Res Ther. 2018; 9:54.
  7. WANG et al., Arch Orthop Trauma Surg. 2008: 128(8):879-84.
  8. WANG et al., Nitric Oxide. 2009;20(4):298-303.
  9. GOLLWITZER et al., Ultrasound Med Biol. 2013;39:126-133.
  10. HOFMANN et al., J Trauma. 2008:65:1402-1420
  11. TISCHER et al., Eur Surg Res. 2008:41:44-53
  12. WUERFEL et al., Biomedicines. 2022; 10(5):1084.

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